
Zwischen Dorfplatz und Weltgeschehen – Gregor Höller geht wieder auf Tour
Zwischen Dorfplatz und Weltgeschehen – Gregor Höller geht wieder auf Tour
Nach zwei Jahren Pause zieht es ihn zurück dorthin, wo er sich am wohlsten fühlt: auf die Bühne.
Gregor Höller, Kabarettist aus Fichtental, startet im Herbst seine neue Tour – und wirkt dabei so entspannt, als hätte er nie etwas anderes gemacht.
Ganz untätig war er in den letzten Jahren allerdings nicht.
"Doch eher ein endlich wieder unterwegs", sagt Höller und lacht. "Die letzten zwei Jahre war ich vor allem mit meinem Buch Was ist eigentlich Humor? beschäftigt. Inzwischen freue ich mich enorm, wieder auf der Bühne zu stehen. Mit Publikum hat man immer ein sofortiges Feedback."
Was er nicht sagt – aber zwischen den Zeilen mitschwingt:
Die Bühne hat ihm gefehlt.
Zurück in Fichtental – und näher dran denn je
Und nicht nur auf der Bühne hat sich etwas verändert:
Seit zwei Monaten wohnt Höller wieder in Fichtental.
"Die Heimat wollte mich einfach wieder", sagt er mit einem Augenzwinkern.
Es ist eine Rückkehr, die sich auch in seinen Programmen widerspiegelt. Die Wege sind kürzer geworden – nicht nur geografisch, sondern auch thematisch.
"Ich probiere so gut es geht immer regional zu bleiben – da fühlen sich die Leute mehr angesprochen, weil es einen ja immer selbst betreffen könnte. Aber hin und wieder mache ich auch einen Ausflug in die grosse weite Welt."
Wobei diese "grosse weite Welt" bei Höller selten weit weg ist.
Oft beginnt sie schon beim Nachbarn.
Ein Blick zurück – und ein Saal, der plötzlich "ausrastet"
Sein letztes Programm liegt inzwischen rund zwei Jahre zurück.
Der Titel: Weder Fisch noch Vogel.
Eine Einordnung fällt ihm schwer – aber eine Erinnerung bleibt besonders hängen.
"Je nach Region lachen die Leute anders", erzählt Höller. "Ich kenne Tiroler – aber in Stuttgart ticken die Menschen anders. Und in Köln…"
Er hält kurz inne und lacht.
"In Köln hatte ich eine Stelle im Programm, die ich selbst eigentlich nur ganz nett fand. Es ging um eine ganz einfache Situation beim Bäcker in Fichtental."
Er grinst.
"Ich stehe da in der Schlange, vor mir ein Mann – und der will ein Brot. Aber nicht einfach ein Brot."
Pause.
"Er sagt: Also ich hätte gern ein Brot… aber nicht zu dunkel. Und auch nicht zu hell. Eher weich – aber nicht zu weich. Und bitte keine zu harte Kruste. Aber auch nicht zu wenig Kruste."
Kurze Pause.
"Und ich stehe hinten dran und denke mir:
Du willst kein Brot. Du willst eine Lebensberatung."
Was dann passiert, überrascht selbst ihn.
"In Köln war es komplett vorbei. Die haben schon beim zweiten Satz gelacht. Beim dritten wurde es lauter – und bei Kruste ist der Saal völlig ausgerastet."
Höller muss selbst wieder lachen.
"Ich habe wirklich nicht mehr gewusst, wie ich weitermachen soll. Ich habe das Programm unterbrochen und gesagt:
Ganz ehrlich – was genau war jetzt so lustig?"
Aus dem Publikum kommt die Antwort:
"Einer ruft: Dat is bei uns genau so! Nur dat wir noch drei Minuten länger reden!"
Pause.
"Und in dem Moment habe ich gemerkt: Das ist gar kein Fichtental-Thema. Das ist ein Menschheitsthema."
Am Ende der Tour war genau diese Stelle seine liebste.
Nicht wegen der Pointe – sondern wegen der Überraschung.
Und weil er jedes Mal schon vorher wusste:
Jetzt könnte es wieder passieren.
Beobachten oder einfach hineingeraten?
Seine Geschichten wirken oft so präzise beobachtet, dass man meinen könnte, er führe heimlich Buch über das Verhalten seiner Mitmenschen.
Die Realität ist einfacher.
"Ich sage immer: Ich laufe einfach die komischen Sachen heran. Vielleicht sehe ich Menschen und Situationen einfach ein bisschen anders."
Und manchmal reicht schon ein kurzer Moment: ein Blick, ein Satz, ein Missverständnis – und plötzlich ist da eine Szene.
Nur eines stellt er klar:
"Ich bleibe sicher nicht länger im Supermarkt als nötig – ich hasse einkaufen!"
Wobei man sich vorstellen kann, dass genau dort die besten Geschichten entstehen.
Ein strenger Chef – und viele kleine Wahrheiten
Mit seinem neuen Programm "Zwischen Dorfplatz und Weltgeschehen" bleibt Höller seinem Stil treu: kleine Geschichten, grosse Wirkung.
"Es geht darum, dass es viele Unterschiede gibt – natürlich immer auf die humorvolle Art und teilweise etwas übertrieben, aber immer mit einem wahren Kern. Das sehe ich als meine Aufgabe."
Und diese Aufgabe nimmt er ernst.
"Schliesslich muss ich ja meinem Chef gefallen."
Wer jetzt an Management oder Agentur denkt, liegt falsch.
"Mein Chef? Ja, ich selbst. Ich habe einen strengen Chef!"
Man glaubt es ihm sofort.
Kleine Bühnen, grosse Nähe
Auffällig an der neuen Tour: viele kleinere Orte, viele intime Räume.
Für Höller ist das kein Kompromiss – sondern eine bewusste Entscheidung.
"Ich finde, je kleiner ein Saal, desto grösser ist die Seele. Man kann das Publikum besser aufnehmen – und besser interagieren."
Hier entstehen jene Momente, die man nicht planen kann:
ein Blickkontakt, ein spontaner Zwischenruf, ein Lachen, das sich durch den ganzen Raum zieht.
Und das Umfeld? Wird das jetzt gefährlich?
Die Rückkehr nach Fichtental könnte für Freunde und Familie durchaus Konsequenzen haben.
"Das habe ich mir noch gar nie überlegt", sagt er und lacht.
"Aber gut – jetzt habe ich eine Drohung!"
Seine Geschichten entstehen ohnehin meist unbewusst:
"Ich baue vieles unterbewusst ein – Handlungen, Aussagen… Ich sollte vielleicht wirklich mal nachfragen."
Zwei Stunden Pause vom Alltag
Was erwartet das Publikum?
Keine grossen Weltanalysen, keine politischen Rundumschläge.
Dafür etwas, das oft viel näher geht.
"Ich fokussiere mich auf die kleinen, regionalen Geschichten. Bei mir findet man keine Weltprobleme – ich finde das nicht lustig. Zwei Stunden einfach die Zeit geniessen und dem Alltag entkommen – das ist das Ziel."
Und genau darin liegt seine Stärke:
Das Vertraute plötzlich neu zu sehen.
Unterwegs – und immer ein bisschen zuhause
Und worauf freut er sich selbst am meisten?
"Was willst hören?" fragt er und grinst.
Dann wird er kurz ruhiger.
"Ich freue mich, mit Menschen ins Gespräch zu kommen – auch ernsthaft. Wenn ich unterwegs bin, lerne ich Land und Leute kennen."
Und ganz nebenbei:
"Ich kann auch meine Geografiekenntnisse verbessern."
Der wichtigste Moment kommt aber am Schluss:
"Der Applaus – das ist schliesslich des Künstlers Lohn."
Tourstart im September
Die neue Tour beginnt am 11. und 12. September 2026 im Konzerthaus Fichtental und führt danach durch zahlreiche kleinere und mittlere Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum.
Ein Programm, das nicht laut sein muss, um gehört zu werden.
Und das zeigt:
Die grossen Geschichten beginnen oft genau dort, wo man sie nicht erwartet.
Zum Beispiel am Dorfplatz.

